Warum Tee und nichts anderes
Nach zwei Stunden Eintauchen in warmes Wasser, Temperaturkontrast und Dampf hat der Körper Flüssigkeit und Mineralien verloren. Er muss sich wieder mit Flüssigkeit versorgen. Aber er muss auch den erreichten Ruhezustand verlängern. Ein Glas kaltes Wasser würde die erste Funktion erfüllen, aber die zweite zerstören. Der lauwarme Tee — weder heiß noch kalt — spendet Feuchtigkeit, ohne etwas zu zerstören. Und seine Verbindungen wirken auf das Nervensystem in einer Weise, die ergänzt, was das Wasser bereits getan hat.
In der Tradition des Hammams trinkt man den Tee nicht im Stehen oder im Vorbeigehen. Man trinkt ihn sitzend, im Ruheraum, wenn nichts mehr zu tun bleibt. Es ist der Schlusspunkt des Erlebnisses — der Moment, in dem du dir noch ein paar Minuten gönnst, bevor du in die Außenwelt zurückkehrst.
Der Minztee
In den Hammams Marokkos ist der Star-Tee der aus frischer Minze, sehr süß serviert. In Córdoba servieren wir eine mildere Version, an den lokalen Gaumen angepasst, aber die Grundlage ist dieselbe: grüner Tee mit Minze. Die Kombination funktioniert, weil die Minze eine erfrischende Wirkung hat, die der Wärmeansammlung des Bades entgegenwirkt, während der grüne Tee L-Theanin liefert — eine Aminosäure, die Entspannung ohne Schläfrigkeit fördert.
Es ist derselbe Grund, aus dem buddhistische Mönche vor dem Meditieren grünen Tee tranken: Er hält den Geist gelassen, aber präsent. Nach einem Hammam ist dieser Zustand klarer Ruhe genau das, was du bewahren möchtest.
Der Moment des Tees in unseren Bädern
Wenn du deinen Rundgang durch die Becken beendest — oder nach der Massage, falls du sie gebucht hast — gehst du hinauf in den Ruheraum. Der Wechsel des Ambientes ist subtil, aber bedeutsam: Du verlässt den Wasserbereich und betrittst einen trockenen Raum mit sanftem Licht und angenehmer Temperatur. Wir servieren dir den Tee, und du setzt dich.
Es gibt keine Eile. Es gibt keinen Timer, der anzeigt, wann du gehen musst. Manche Gäste trinken den Tee in fünf Minuten und gehen mit neuer Energie. Andere bleiben zwanzig Minuten, mit geschlossenen Augen, und verlängern das Gefühl. Beide haben recht.
Was fast alle teilen, ist, dass das jüdische Viertel anders aussieht, wenn du hinausgehst. Die Steine, das Licht, das Hintergrundrauschen der Stadt — alles ist, wo es war, aber du nimmst es mit einem anderen Filter wahr. Der Tee ist der Übergang zwischen der Welt des Hammams und der Welt draußen. Und er macht diesen Übergang sanft statt abrupt.
