Das Bad als Identität
Um das Verbot zu verstehen, muss man verstehen, was ein Hammam im Spanien des 15. Jahrhunderts bedeutete. Es war kein Fitnessstudio mit Becken. Es war ein kulturelles Kennzeichen. Die Muslime badeten häufig — die Waschung vor dem Gebet war Pflicht und das wöchentliche Bad eine fest verwurzelte Gewohnheit. Die Christen des Nordens hingegen misstrauten dem häufigen Bad. Übermäßige Körperreinigung wurde mit Eitelkeit, mit Muslimen, mit dem Fremden verbunden.
Als die Katholischen Könige 1492 die Reconquista abschlossen, war das Problem nicht militärisch — es war kulturell. Es gab Hunderttausende zum Christentum konvertierte Muslime (Morisken), die weiterlebten wie eh und je: Arabisch zu Hause sprechend, mit denselben Gewürzen kochend, freitags dieselbe saubere Kleidung tragend. Und badend.
Das Verbot
Die Pragmatik von 1567 Philipps II. war ausdrücklich. Die arabischen Bäder wurden verboten. Der Wechsel sauberer Kleidung freitags wurde verboten. Arabisch zu sprechen wurde verboten. Die Zambras und Leílas — die moriskischen Feste und Feiern — wurden verboten. Verboten wurde im Grunde jede kulturelle Äußerung, die die Morisken von den Altchristen unterschied.
Das Ziel war nicht hygienisch. Es war Zwangsassimilation. Wenn ein Moriske sich zu häufig badete, war er verdächtig, heimlich den Islam zu praktizieren. Das Bad wurde zum Beweis der Ketzerei. Die Inquisition passte auf.
Das Ergebnis war die massive Zerstörung einer Wohlfühl-Infrastruktur, deren Aufbau Jahrhunderte gedauert hatte. Von den 700 Bädern des kalifalen Córdoba wurde die überwältigende Mehrheit abgerissen, in Lager, Ställe oder Wohnungen umgewandelt oder einfach aufgegeben, bis die Dächer einstürzten.
Was verloren ging
Es gingen nicht nur Gebäude verloren. Verloren ging eine Kultur der Körperpflege, die Europa erst im 19. Jahrhundert mit den mitteleuropäischen Kurbädern wiedererlangen sollte. Dreihundert Jahre lang war häufiges Baden in Spanien verdächtig. Die persönliche Hygiene fiel um Jahrhunderte zurück. Die Epidemien, die Europa in jener Zeit heimsuchten, haben unter vielen Ursachen die Aufgabe der Wasser- und Sanitärinfrastruktur, die die Araber unterhalten hatten.
Was überlebte
Einige Bäder hielten stand. Die in größere Strukturen integrierten — Paläste, Klöster, Adelshäuser — überlebten als umgewidmete Räume. Andere blieben unter späteren Bauten begraben und tauchen heute bei archäologischen Ausgrabungen auf.
Und wenige — wie das Gebäude in der Calle Almanzor, wo sich heute die Arabischen Bäder von Córdoba befinden — bewahrten ihre Verbindung zum Wasser über die Jahrhunderte. Nicht immer als Hammam, nicht immer öffentlich, aber das Wasser floss weiter zwischen diesen Mauern, während die Außenwelt entschied, dass Baden gefährlich sei.
Fünfhundert Jahre später stehen die Türen offen. Das Wasser ist warm. Der Dampf füllt die Räume. Und die Menschen kommen wieder zum Baden — diesmal, ohne dass es ihnen jemand verbietet.
